Chinesische Medizin

Herkunft und Entwicklung

Die chinesische Medizin hat ihre Ursprünge im alten China. Das älteste Lehrbuch, das Huang Di Nei Jing (der Klassiker der Inneren Medizin des Gelben Kaisers) ist ca. 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschrieben worden und gilt noch heute als wichtige Grundlage einer fundierten Ausbildung in Chinesischer Medizin im Osten wie im Westen. Es belegt, wie früh schon in China Analogien von Mensch und Natur hergestellt wurden, wie genau man damals die Ursachen von Krankheiten erkannte - und aus diesen Erkenntnissen eine entspechende Behandlung resultierte.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) umfasst verschiedene Therapieverfahren: Akupunktur, Moxibustion (stimulierende Erwärmung von Akupunkturpunkten durch abbrennende Beifußkrautwolle), Kräuterheilkunde, Diätetik, Tuina/Anmo (Chinesische Massage und manuelle Therapie), Qigong und Taijiquan (Bewegungsübungen und Meditationspraktiken).

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts findet die Chinesische Medizin auch zunehmend Beachtung in Europa. Die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e. V. (AGTCM) setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, die Ausbildungsqualität der TCM an die international üblichen Standards anzupassen, denn nur eine qualifizierte Anwendung der Chinesischen Medizin kann zu guten Behandlungsmethoden führen.


In China dauert die Ausbildung an einer TCM-Hochschule mit Lehrkrankenhaus 5 Jahre. Klassische Fachbereiche, wie die der Akupunktur und der Pharmakologie/Kräuterheilkunde, sind mittlerweile auch in Deutschland etabliert und bezüglich der hier gängigen Qualitäts- und Behandlungsstandards definiert. Schätzungsweise 40.000 Ärzte und Heilpraktiker sind in Deutschland im Akupunktur-Heilverfahren ausgebildet.

Gesundheit und Krankheit

Wie entsteht Krankheit? Jede Erkrankung zeigt eine Störung des inneren Gleichgewichts an. Diese Störung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst worden sein, wobei häufig mehr als eine Ursache zu finden ist. Mögliche Faktoren im Sinne der TCM sind:


1. Angeborene Konstitution
2. Emotionaler und geistiger Zustand
3. Ernährung
4. Umweltfaktoren
5. Traumata

Wie behandelt Chinesische Medizin Alarmsignale?

Die Chinesische Medizin diagnostiziert und behandelt nach ganzheitlichen Gesichtspunkten. Symptome werden nicht nur als Alarmsingnale einzelner Teile des Körpers begriffen, sondern als Hinweise auf ein Ungleichgewicht des ganzen Organismus. Ziel der Behandlung ist es, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Dies geschieht durch

  • Ausleiten von Störfaktoren, der sogenannten pathogenen Energien
  • Aufbauen von zu schwachen Energien
  • Gezieltes Bewegen von Energien, damit diese wieder in einen harmonischen Fluss geraten
  • Aufklärung des Patienten über die für ihn richtige Ernährungsweise und Lebensführung



Traditionelle Chinesische Diagnostik

Im Zusammenwirken der oben genannten Faktoren entwickelt sich die Krankheit eines Menschen. Deshalb wird der Therapeut nicht allein nach den Details der akuten Beschwerden fragen, sondern auch eine komplette Anamnese der vergangenen Krankheiten und auffälligen Familienerkrankungen, des allgemeinen Wohlbefindens etc. erstellen. Auch wird er gegebenenfalls eine körperliche Untersuchung vornehmen. So erhält er ein vollständiges Bild dessen, was die jetzigen Beschwerden verursacht. Diese ausführliche Untersuchung wird durch die genaue Beobachtung von Hautfarbe, Gesicht und Körpermerkmalen abgerundet. Besonders wichtig ist die Puls- und Zungendiagnose: Die Zunge wird auf Form, Farbe und Bewegung des Zungenkörpers und auf die Beschaffenheit des Belages hin betrachtet.

Die Pulse werden über die radialen Arterien an beiden Handgelenken genommen und dort an jeweils 3 Positionen beurteilt. Diese sind den 12 Leitbahnen und deren Organen zugeordnet. Frequenz, Stärke und Ausdrucksform des Pulses geben Aufschluss über den inneren Zustand. Es gibt 28 verschiedene Pulsqualtitäten, die spezifische Hinweise auf den kranken Zustand des Patienten geben. Puls- und Zungendiagnose ergänzen einander. So gelingt es, zusammen mit dem genauen Befragen des Patienten, ein exaktes Bild von der Krankheit in ganzen Organismus zu bekommen und den Weg der Behandlung festzulegen.